Wie sollte ein Auslandsaufenthalt während des Studiums aussehen, worauf sollte der Schwerpunkt liegen? Und wie könnte und sollte die Hochschule die Reiselustigen vielleicht besser unterstützen?
Ein Auslandssemester oder -jahr wird von Professoren und auch von Politikern gerne empfohlen. Die Vorteile von Auslandsaufenthalten sind heutzutage unumstritten. Daran wurde auch bei der Konzeption der Bologna-Reform gedacht. Der Auslandsaufenthalt sollte erleichtert werden.
Laut der verantwortlichen Minister sollte die Bologna-Reform eigentlich einen europäischen Hochschulraum schaffen. Die Abschlüsse und Ergebnisse der Universitäten sollten gegenseitig international anerkannt werden. Aber genau das Gegenteil ist aufgetreten.
Durch die stark angestiegene Arbeit im Vergleich zu den früheren Diplom-Studiengängen ist es stark erschwert worden, ins Ausland zu gehen. Eines der Ziele bei einem Studienaufenthalt im Ausland sollte auch sein, sein Studienfach aus einer anderen Perspektive zu sehen. Gute Beispiele wären hier das Informatikstudium in Amerika oder das Geographiestudium.
Auch können die Kompetenzen, die man erlangt, hilfreich für den späteren Beruf sein. Kennt man die Kultur eines Gastlandes, so kann man, wenn man eine Firma vertritt, besser auf die Handelspartner eingehen; auch die Sensibilisierung für die Probleme des Gastlandes werden für die Studenten klarer.
Gerade wegen der fortschreitenden Globalisierung sind internationale Beziehungen zwingende Voraussetzungen für Erfolge.
Grundsätzlich gibt es für den Aufenthalt zwar die Freiheit, ob man ein oder zwei Semester wegfährt, aber nicht, dass man dorthin während der vorlesungsfreien Zeit fährt. Dies wäre ein gutes Zusatzangebot.
Die Ansprüche an Unigebäude und -gelände sind vielfältig. Mal muss modernste Technik untergebracht werden, mal müssen Sicherheitsvorschriften oder Denkmalschutz gewahrt bleiben, Studenten wollen kurze Wege, aber auch gemütliche Sitzecken und W-Lan. Als öffentlicher Raum prägen Unigebäude zudem das Stadtbild. So soll die Gestaltung des stadtweit verstreuten Unigeländes den verschiedensten Bedürfnissen gerecht werden und dabei noch gut aussehen. Zum Teil findet man da überraschend schöne Orte; anderswo jedoch reine Nutzbauten, deren Gestaltung nicht zum gemütlichen Plausch oder zum Verweilen einlädt, oder auch mehr oder weniger gelungene Mischungen aus historischem Bauwerk und moderner Nutzung. Was auf dem Unigelände und welche Gebäude könnte man innen wie außen umgestalten? Was darf gern so bleiben, wie es ist? Wo sollte vielleicht mehr auf welche praktischen Bedürfnisse eingegangen und wo sollte mehr Raum für andere Dinge als das Lernen geschaffen werden?
Was Kunst und Gestaltung an Gebäuden betrifft so kann man an der Universität Würzburg die verschiedensten Stile sehen, die fast schon wie eine Ausstellung der Epochen wirken. Die Neue Universität am Sanderring mit ihrem klassischen Baustil aus dem Jahre 1896, die Bauten aus den Sechziger Jahren am Hubland, wie Philosophische Fakultät I und Physik, die Informatik aus den Neunziger Jahren und daneben noch Zentralbibliothek und Mensa in chinesischem Stil sind nur die wichtigsten Beispiele unter den über 100 großen und kleinen Gebäuden der Universität. Doch die schönste Universität nützt nichts, wenn man ihre Vorlesungen nicht besuchen kann. So geht es denjenigen, die in die Gebäude nicht oder nicht richtig hineinkommen weil sie im Rollstuhl sitzen. Die Behindertengerechtigkeit hat in jedem Fall Vorrang gegenüber
architektonischen Qualitäten.
Das Informatikgebäude ist als überwiegend gut zu bewerten, da z. B. ein Aufzug vorhanden ist, ebenso wie das Mensagebäude. Im Gegensatz dazu ist der Hörsaal 4 im naturwissenschaftlichen Hörsaalbau nicht mit einem Rollstuhl zu erreichen. Hier sollte nachgebessert werden, z. B. mit einer Rampe. Das gleiche gilt für die Cafeteria am Sanderring. Wir schlagen als Alternative vor, dass Vorlesungen mit Menschen, die eine körperliche Einschränkung haben, in behindertengerechte Hörsäle verlegt werden.
Finanzielle Mittel zu baulichen Veränderungen sollten auch nur auf diese Fälle sowie technisch nötige Dinge beschränkt werden. Rein optische Verschönerungen lehnen wir ab. Stattdessen sollte das Geld zur Verbesserung der Lehre eingesetzt werden. Zudem stellt sich die Frage, ob überhaupt genügend finanzielle Mittel für technische Umbaumaßnahmen vorhanden sind. Die Einnahmen aus Studiengebühren dürfen hierfür jedenfalls nicht verwendet werden.
Es wird bekanntlich viel gespart in der Bildung. In welchen Bereichen ist das besonders fatal und wie kann man dem entgegenwirken? Wo dürfte der Rotstift angesetzt werden und welche Bereiche sollte die Universität besser ausbauen? Versteht ihr die Universität eher als berufsorientierte Ausbildungsstätte oder als Ort umfassender Bildung?
Das immer weiter fortschreitende Sparen an der Bildung ist eine Entwicklung, die uns besorgt und mit der wir keinesfalls einverstanden sind. Der einstige Bildungsstandort Deutschland wird nicht zuletzt durch die starke Verschulung der Universitäten aufgrund des Bologna-Prozesses immer weiter und nachhaltig geschädigt. Zu einer Universität sollte es es aber insbesondere auch gehören, dass man im selbständigen Erarbeiten von Wissen geschult wird.
Die Studiengebühren lehnen wir, wie schon mehrfach betont, ohnehin komplett ab. Sie sind zum einen sozial ungerecht, da sie dazu führen, dass ein Zwei-Klassen- Bildungssystem nach dem Einkommen der Eltern entsteht. Zudem sind sie insbesondere in Bayern auch unnötig, da wir zu den reichsten Bundesländern mit einem Überschuss von 3,7 Mrd. Euro (2011, Quelle: http://tinyurl.com/laendfin) gehören, von dem wir einen nicht geringen Teil in die Bildung stecken müssen.
Wir sehen das mangelnde Interesse an demokratischen Mitbestimmungsmöglichkeiten seitens der Studenten als sehr bedenklich an. Eine Wahlbeteiligung von unter 20% zeigt, dass große Defizite in diesem Bereich vorliegen. Für uns ist offensichtlich, dass die Wahlbeteiligung nicht zuletzt darin begründet ist, dass die Studierenden zu wenig Mitbestimmung in Gremien der Universität haben. Dies sieht man deutlich am Beispiel des Studentischen Konvents, der zu wenig Einfluss hat. Auch in Fakultätsräten und Studiengebührenkommissionen wäre mehr Mitbestimmung sinnvoll und im Interesse der Studierenden. Schließlich steht auch im Gesetz, dass Studierende bei der Mitbestimmung über die Verwendung der Gebühren angemessen zu beteiligen sind. In den Gebührenkommissionen haben sie 50% der Sitze, die anderen 50% die Dozentinnen und Dozenten. Bei einem Patt in Abstimmungen entscheidet der Vorsitzende, der der Dozentenseite angehört. Da das Geld, über das entschieden wird, aber zu 100 % aus studentischem Geldbeutel kommt, halten wir eine Mehrheit von 50 Prozent plus eine Stimme für die Studentenseite für das Minimum.
Des Weiteren mangelt es enorm an Transparenz in Verwaltungsangelegenheiten, z. B. bei der Veröffentlichung von Gremienprotokollen. Beim Senat wurde letztes Jahr ein großer Fortschritt erreicht. Protokolle sind nach langen und zähen Verhandlungen wenigstens zum Teil veröffentlicht. Für andere Gremien besteht hier noch Nachholbedarf. Wir sind zuversichtlich, dass eine Verbesserung dieser Problematik mehr Studierende dazu bringen würde, zur Wahl zu gehen.
Dennoch möchten wir alle Studierenden eindringlich dazu aufrufen, auch die diesjährige Hochschulwahl wahrzunehmen. Eine höhere Wahlbeteiligung als in den vergangenen Jahren würde den studentischen Vertretern weit mehr Gewicht in Verhandlungen mit der Universität geben. Es macht schließlich einen Unterschied, ob Hochschulgruppen, die gegen Studiengebühren sind, von 2000 oder von 15000 Wählerinnen und Wählern an der Universität gewählt werden.
Die Universität finanziert sich aus dem staatlichen Etat, Drittmitteln und Studiengebühren. Dabei ist der staatliche Etat der größte Teil, die Studiengebühren sind der kleinste Teil, die Drittmittel liegen dazwischen. Die Drittmittel wiederum sind zum größeren Teil von staatlicher Seite und zum kleineren Teil von privater Seite. Für staatliche Drittmittelgeber sind die DFG (Deutsche Forschungsgemeinschaft) und das Ministerium für Wissenschaft und Forschung die wichtigsten Beispiele. Private Drittmittelgeber sind häufig große Industriekonzerne. An der Universität Würzburg herrscht ein Zustand des Wettbewerbs um Drittmittel. Professoren und Forscher, die es schaffen möglichst viele Drittmittel einzuwerben zeigen dies gerne.
Wir sprechen uns gegen eine Finanzierung der Universität durch andere Institutionen als den Staat aus. Sobald eine Universität Drittmittel von privater Seite annimmt, begibt sie sich in eine finanzielle Abhängigkeit und macht sich beeinflussbar. Wenn hingegen nur Gelder vom Staat angenommen werden, kann ein solcher Verdacht gar nicht erst aufkommen. Der Staat ist in der Lage, diese wegfallenden Mittel problemlos zu kompensieren. In einer Statistik der Hochschulrektorenkonferenz wird angegeben, dass im Jahr 2001 19,1 Mrd. Euro für Unis und FHs ausgegeben wurde. Davon trug die private Seite gerade einmal 500 Mio. Euro, also gerade einmal knapp 3 % (Quelle: http://www.hrk.de/de/brennpunkte/112.php).
Dieser Anteil ist seither etwas angestiegen. Wir sehen die Gefahr, daß bestimmte Fachbereiche, die eher anwendungsorientiert forschen von der privaten Wirtschaft stärker gefördert werden, wogegen andere Fachbereiche, die eher Grundlagenforschung betreiben unter der staatlichen Unterfinanzierung leiden. Damit beeinflussen die Drittmittel die Forschung und lenken sie deutlich in eine bestimmte Richtung. Dies steht im Widerspruch zur Freiheit von Forschung und Lehre.
Die Anfrage war:
Liebe VertreterInnen der Hochschulgruppen,
für die nächste Ausgabe des Sprachrohrs lautet unser Nachgefragt:
"Was haltet ihr generell von Drittmitteln und wie ist die Versteigerung und Benennung von Hörsälen zu beurteilen?" (…)
Wir sehen Religionsfreiheit als ein hohes Gut der Gesellschaft an. Daher ist es für uns selbstverständlich, dass jeder Student das Recht haben soll, seiner Religion auch mit Symbolen Ausdruck zu verleihen, solange niemand dadurch beeinträchtigt wird. Dozenten hingegen sollten aufgrund ihrer Vorbildfunktion während ihrer Vorlesungen oder Veranstaltungen religiös neutral auftreten.
Da wir uns ohnehin gegen eine Anwesenheitspflicht aussprechen (von wenigen Ausnahmen wie z. B. Sicherheitsunterweisungen für das chemische Praktikum abgesehen), wäre auch ein gesondertes Freistellen aus religiösen Gründen nicht mehr notwendig. Sollte es tatsächlich dazu kommen, dass Festtag und Pflichtveranstaltung auf einen Termin fallen, kann dies einfach als Abwesenheitstag gezählt werden. Wir gehen davon aus, dass ein Student eigenverantwortlich genug ist, selbst zu entscheiden, ob er an einer Veranstaltung teilnehmen sollte oder nicht.
Benachteiligungen aufgrund von Religionszugehörigkeit dürfen an Universitäten nicht vorkommen. Uns sind momentan auch keine Vorkommnisse diesbezüglich bekannt. Sollten jedoch in Zukunft solche Fälle auftreten, muss ihnen selbstverständlich nachgegangen werden.
Die Anfrage war:
"Hallo liebe Hochschulgruppen,
in unserer nächsten Ausgabe des Sprachrohrs geht es um Religionen an der Hochschule. Welche gibt es, wie sind sie vertreten, wo treffen sie sich, usw. Die Frage des SSR an euch für das Nachgefragt lautet diesmal:
"Wie seht ihr den Stellenwert von Religion und Glauben an der Universität? Gibt es für Studierende an der Hochschule Nachteile, wenn sie ihren Glauben offen nach außen tragen?"
Bitte äußert euch zu diesem Thema und schickt mir euer Ergebnisse bis zum 16.12.
Vielen Dank!
Zur Ergänzung: Es wäre schön, wenn ihr auch auf das Problem eingehen könntet, wie eure Hochschulgruppe dazu steht, dass man Gläubigen an ihren Hochfeiertagen die Anwesenheit erlässt (außerhalb der beiden Fehltermine). Als Beispiel: Wenn Muslime Zuckertütenfest feiern, sollte sie auch von der Anwesenheitspflicht an der Hochschule entbunden werden. Das allerdings auf alle Religionen gemünzt.
Ich freue mich auf eure Beiträge!"